Abgestorbene Bäume

Dieser Abschnitt widmet sich dem Thema „Abgestorbene Bäume“. Immer mehr Seilgärten haben mit Borkenkäfern, Trockenheit und anderen Belastungen für ihre Bäume zu kämpfen. Das Resultat: Bäume sterben ab. Die Frage ist, wie und wie lange kann man sie verwenden?

Sicherheitswarnungen

Es sind in den letzten Jahren mindestens 5 Unfälle durch das Versagen von abgestorbenen Bäumen bekannt geworden. Aus der Erfahrung dieser Unfälle wurde eine Vorgangsweise zum Umgang mit abgestorbenen Bäumen entwickelt.

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Checkpunkte

Abgestorbene Bäume müssen in einer Dokumentation erfasst werden:

  1. Wann ist der Baum abgestorben (Jahr)?
  2. Wurde der Baum professionell begutachtet?
  3. Welche Konservierungsmaßnahmen wurden wann vorgenommen?

Aus unserer Erfahrung könnte sich eine Excel Liste wie diese für die Dokumentation von abgestorbenen Bäumen eignen. Probiert sie aus und schreibt uns gerne eurer Feedback dazu, damit wir sie verbessern können.

Ein abgestorbener Baum ist wie ein Mast zu behandeln. Das bedeutet, dass er an den Stellen der Krafteinleitung entgegen den Zugrichtungen abgespannt werden muss.
Es wird empfohlen, die Abspannungen, wenn sie an Nebenbäumen befestigt werden, soweit wie möglich unten angeschlagen werden, damit der abgestorbene Baum nicht durch die Windbewegungen mitbewegt wird.
Sämtliche Krafteinleitungspunkte müssen so abgespannt werden, dass sich die Kräfte nicht als Biegekräfte auf den Baum auswirken. Deswegen muss die Abspannung in der Nähe des Krafteinleitungspunkts angebracht werden (maximaler Abstand 50 cm).

Nach 1-2 Jahren beginnt die Borke abzufallen. Dies ist ein guter Zeitpunkt, den Baum komplett von Borke zu befreien – also auch unter den Plattformen. Zugegeben, das ist mit Aufwand verbunden, aber du verlängerst damit auch die Verwendbarkeit des abgestorbenen Baumes.

Alles, was Feuchtigkeit halten kann, fördert die Verrottung. Borke hält die Feuchtigkeit und wir haben deutliche Unterschiede zwischen entborkten und nicht-entborkten Bäumen gesehen.

Die meisten Plattformen sind so befestigt, dass sie die Feuchtigkeit am Stamm halten. Nicht zufällig brechen abgestorbene Bäume oft unter der Plattform. Es lohnt sich, die Plattformen abzunehmen, auch dort die Borke zu entfernen und durch eine möglichst gut hinterlüftete Konstruktion zu ersetzen.

In diesem PDF sind die Maßnahmen für Behandlung und Inspektion von abgestorbenen Bäumen zusammengefasst.

Der Baum sollte so abgeschnitten werden, dass er oberhalb der Abspannung idealerweise 0,5 Meter bis maximal 1,5 Meter übersteht. Es macht auch Sinn, ihn schräg abzuschneiden und ein hinterlüftetes Dach anzubringen – so wird die Schnittfläche geschützt. Zur Abspannung siehe den eigenen Checkpunkt.

In diesem PDF sind die Maßnahmen für Behandlung und Inspektion von abgestorbenen Bäumen zusammengefasst.

Todfeinde

Pilze und Verrottung benötigen Sauerstoff + Feuchtigkeit. Trockenes Holz verrottet nicht.

Holz ist auf Druck wesentlich belastbarer als auf Biegung. Abgestorbene Bäume sollten daher so abgespannt sein, dass möglichst wenig Biegekräfte auftreten. Dem gleichen Zweck dient das Kappen und Einkürzen. Je weniger Last oberhalb der Abspannungen vibrieren kann, desto besser.

Wissenswertes

Ein abgestorbener Baum wird zum Mast. Genau so muss er auch behandelt werden. Eine gute Abspannung ersetzt das Fundament (Wurzelstock). Im Gegensatz zum lebenden Baum müssen die Wurzeln dann keine nennenswerten Kräfte mehr halten.

Die bisherigen Unfälle (mindestens 5 Unfälle) haben folgendes gemeinsam:

  1. Die meisten Bäume waren seit mindestens 4 Jahren abgestorben. Einen Versagensfall gibt es nach einem Jahr. 
  2. Die Anspannungen waren falsch oder fehlten überhaupt.
  3. Die Baumkontrolle fand (wenn überhaupt) nur als Sichtprüfung statt und nicht als eingehende Untersuchung in der Höhe.

Mit Abspannungen und kappen des Baumes, kann dieser im Regelfall bis zu 4 Jahren verwendet werden – mit entsprechenden Maßnahmen ist eine längere Verwendung wahrscheinlich. Hier gibt es noch zu wenig Erfahrungswerte, aber wir sind fleißig am Testen und Forschen.

  1. Der Totbaum muss in seiner Gesamtheit untersucht und beurteilt werden. Eine Inspektion vom
    Boden aus ist in der Regel nicht ausreichend.
  2.  Die kritischen Stellen sind unter Plattformen, Abdeckungen und an den Stellen der Anschlüsse der technischen Einrichtungen.
  3. Zur Feststellung des Verrottungszustandes können nur quantifizierbare Methoden (z.B. Bohrwiderstandsmessungen) verwendet werden, um den Prozess der Holzzersetzung bei künftigen Untersuchungen vergleichen zu können.
  4. Unter Umständen ist ein Belastungstest sinnvoll.

Zur zeit sind keine Technologien zur Reparatur, also zur Verbesserung eines verrotteten Baumes bekannt.

Es wird aber zur Zeit daran geforscht, durch Impfung mit chemischen Fungiziden den Ist-Zustand des Baums zu konservieren. Bei Masten funktioniert das seit Jahrzehnten, es besteht begründete Hoffnung, dass das auch bei Bäumen klappt.

Viele Baumkontrolleure lehnen die Kontrolle eines toten Baums ab und erklären sich als nicht zuständig.

Im Zweifelsfall ist der Seilgarteninspektor (der die jährlich wiederkehrende Inspektion macht) in der Verantwortung und muss den Baum einschätzen oder einen Spezialisten hinzuziehen.

Der Betreiber ist in der Pflicht, die richtige Person auszusuchen.

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