Stahlseile

Ein gut verbautes, verzinktes Sicherungs-Stahlseil ohne Dauerknickstellen und Reibung hält „ewig“. Ein schlecht verbautes Seil (z.B. das bei jedem Teilnehmer geknickt wird), kann bereits nach einigen tausend Teilnehmern brechen.

Eine Rolle nützt die äußeren Drähte ab und biegt sie. Beides führt zum Bruch der Außendrähte. Deswegen sind Seile, auf denen Rollen fahren, Verschleißteile.

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Sicherheitswarnungen

Drahtbrüche, ja sogar Litzenbrüche, sind bei Stahlseilen bekannt geworden, die durch starkes Baumwachstum ungewöhnlich stark gespannt waren und einen hohen Spreizwinkel aufwiesen, aber immer unter der baumnächsten Klemme.

SISKA-Hinweis „mögliche Drahtseilschäden“ als PDF

Checkpunkte

Die Gefahr eines Seilversagens darf nicht unterschätzt werden. Wenn es von niemandem beachtet wird, bricht es irgendwann. „Stahlseile sterben langsam“. Oft findet man die Drahtbrüche auf Stahlseilen, auf welchen Rollen geführt werden. Dies können z.B. Seilrutschen aber auch Stationen sein, die mit einer Rolle auf dem Stahlseil laufen. (Teller, Schlitten, Fässer,…)

Hier findest du die Kriterien zur Ablegereife

Hier erfährst du mehr zur operativen Inspektion von Drahtseilen

In diesem Bild sieht man gut die Abnutzung sowie zwei Drahtbrüche:

Am besten markiert man Drahtbrüche. Somit kann man die Entwicklung feststellen und abschätzen, wann es Zeit ist, neues Seil zu bestellen

Hier wurde ein Seil beim Bau angeflext. Die herausstehende Litze ist auf jeden Fall zu entfernen, da sie eine Verletzungsgefahr darstellt. Die Anzahl der  Drahtbrüche ist nach den Vorgaben der Norm zu behandeln und gegebenenfalls in regelmäßigen Intervallen auf Veränderungen zu kontrollieren.

Hier findest du die Kriterien zur Ablegereife

Normalerweise verändert sich die Stelle, auch nachdem sie angerostet ist, nicht.

Wo das Seil an Rapidglieder, Karabinern oder anderen Metallteilen reibt, wird es blankpoliert. Rundherum sammelt sich dunkler Metallabrieb – feiner Eisen- bzw. Roststaub. Dieser Rost fördert die Korrosion der einzelnen Drähte und beschleunigt Drahtbrüche, besonders in den stark belasteten Biegezonen.

   

Hier findest du die Kriterien zur Ablegereife

Eine kritische Stelle ist, wenn ein Ziplineseil über eine Rolle umgelenkt wird. Sehr oft bewegt sich das Seil über die Rolle hin- und her. Wenn man diese Stelle übersieht und nie inspiziert, fällt irgendwann das Seil zu Boden. Zumindest ein derartiger Unfall ist dokumentiert. Hier in den Bildern war es möglich sich mit dem Fuß gegen die Rolle zu stemmen und die Reibestelle freizulegen.

  

Hier findest du die Kriterien zur Ablegereife

Besondere Aufmerksamkeit gilt möglichen Drahtbrüchen unter Seilklemmen, welche auf den ersten Blick nicht ersichtlich sind.
Solche Schäden treten gelegentlich auf, wenn Stahlseile durch Umwicklung an einem Baum mit Seilklemmen befestigt werden und dabei ein ständiger Lastwechsel auftritt.

Dieses Phänomen kann vor allem bei längeren Ziplines (häufige Biegewechsel im Stahlseil) beobachtet werden. Ein „loser“ oder abstehender Draht im Bereich einer Klemme ist immer ein Alarmzeichen – in diesem Fall sollte die Klemme geöffnet und das darunterliegende Seil sorgfältig kontrolliert werden.

Zu diesem Thema gibt es einen Sicherheitshinweis sowie einen eigenen Artikel zu Drahtseilklemmen, in dem weitere Informationen zur Befestigung, Kontrolle und Wartung beschrieben sind.

Hier findest du die Kriterien zur Ablegereife

Diese Stellen muss man unbedingt genauer ansehen, ob das Seil dort geknickt wird:

  • Seil wird durch eine Kausche geführt (siehe Foto)
  • Seil läuft durch eine Fixierungshülse
  • Eine Presshülse oder Klemme ist fixiert und das auslaufende Seil bewegt sich

Mehr zum Thema Dauerknickbelastung findest du unter dem Punkt Totfeinde.

Hier findest du die Kriterien zur Ablegereife

Unter Schläuchen gibt es oft Rost. Man muss zur Kontrolle den Schlauch verschieben oder aufschneiden. Im nachstehenden Bild ist ein Loch von Vorteil, weil sonst Wasser im Schlauch steht.

Todfeinde

Man kennt es vom Stahldraht: Wenn man ihn oft hin- und herbiegt, bricht er. Auch ein Stahlseil verhält sich so.

Bei allen Stellen, wo ein Stahlseil hin- und hergebogen wird, können Beschädigungen bis zum Bruch auftreten.

Beispiele: Wenn eine Presshülse fixiert ist und nicht frei schwingen kann. Unter bzw. nahe bei Klemmen, wenn sich das Stahlseil nicht bewegt, das Stahlseil aber schon.

Bei dieser Positionierungshülse wird das Stahlseil dauergeknickt. Solche Hülsen muss man unbedingt verschieben (können), sonst sind sie nicht inspizierbar. Wenn sie nicht visuell inspizierbar sind, kann man einen Belastungstest druchführen.

Hier ist ein Stahlseil durch eine Kausche geführt und wird umgebogen und geknickt. Auch diese Anwendung ist zulässig. Allerdings muss sie besondere Beachtung in der operativen Inspektion finden, da dort, wo die Kausche am durchgeführten Stahlseil reibt, oft Drahtbrüche entstehen.

 

 

Hier findest du die Kriterien zur Ablegereife

 

Wenn Metall auf Metall reibt, wird es abgenützt. Wenn ein Rapidglied auf dem Stahlseil hängt und permanent bewegt wird (Wind, Benützung), reibt es am Stahlseil und beschädigt es.

 

Hier findest du die Kriterien zur Ablegereife

 

Plastik- bzw. Kunststoffummantelte Seile sind laut Norm zugelassen, aber äußerst schwierig zu überprüfen. Man müsste laut EN 15567 Zugtests „an den ältesten oder am meisten beanspruchten Seilen“ machen. Man soll dadurch feststellen können, welches Seil das schlechtetste ist (geht aber nicht, weil ja ummantelt). Wir von der SIG  halten diesen Teil der Norm für undurchführbar.

 

So sieht das Seil oben im Bild aus, wenn man es umbiegt.

Korrosion kommt ins Spiel, wenn keine oder eine schlechte Verzinkung vorhanden ist oder diese beschädigt wird.

Oberflächlicher Flugrost ist kein Problem. Erst wenn die Struktur des Seils zerstört wird, muss man es ablegen.

Tape verhindert die Inspektion und hält Dauerfeuchte. Sollte in einem Seilgarten Tape verwendet werden, muss es stichprobenweise 1 x/Jahr entfernt werden. Wenn irgendwo Korrosion oder eine Knickstelle am Stahlseil auftritt, müssen alle Tapes entfernt werden.

Wissenswertes

Drahtseile sind der häufigste Bauteil in Seilgärten. Sie erfüllen grundsätzlich ihren Zweck.

Ein gut verzinktes Sicherungs-Stahlseil, das gut verbaut wurde, keine Dauerknickstellen hat und nichts reibt, hält „ewig“.

Ein schlecht verbautes Seil (z.B. das bei jedem Teilnehmer geknickt wird), kann bereits nach einigen tausend Teilnehmern brechen.

Eine Rolle, die auf einem Stahlseil fährt, nützt die äußeren Drähte ab und biegt sie. Beides führt in weiterer Folge zum Bruch der Außendrähte. Deswegen sind Seile, auf denen Rollen fahren, Verschleißteile.

Es ist in der Regel also nicht das Alter, welches ein Seil zerstört, sondern die Zahl der genutzten Belastungszyklen. 

Für die operative Inspektion: man hängt sich kurz ein, so dass das Seil auf Augenhöhe ist und fährt den Flying Fox langsam ab. Dabei schaut man vor allem von oben auf Drahtbrüche und achtet allgemein auf Veränderungen wie Ausbuchtungen. Gleichzeitig kann man mit der Hand fühlen: Drahtbrüche wirken wie eine kleine Rauigkeit. Manche nehmen auch ein weiches, faseriges Tuch oder Wolle, die Drahtbrüche ziehen die Fäden heraus.

Empfehlung: gefundene Drahtbrüche mit einem Stift markieren und fotografieren – so kann man später leichter die Veränderung feststellen.

Hinweis: Wenn mal die ersten Schwächungen abgetreten sind – sprich einzelne Drähte immer dünner geworden sind, geht es in Folge immer rascher. Dann ist es Zeit den Abstand zwischen den Inspektionszyklen zu reduzieren.

 

 

Hier ist der Link zu den Ablegekriterien

Die Seilgartennorm EN 15567 fordert:

„Für Sicherungsebenen aus Draht dürfen nur verzinkte Drahtseile oder Drahtseile aus nichtrostendem Stahl verwendet werden.“

Verwendung von Stahlseilen, die von der Norm abweichen?

Da aber in vielen Anlagen auch unverzinkte Seile ohne Probleme über viele Jahre (v.a. bei Ziplines) eingesetzt wurden, muss man diese Forderung relativieren. Sie ist anscheinend nicht evidenzbasiert.

Das gleiche gilt für die Forderung: „Drahtseile mit einem Kern aus Naturfasern dürfen bei kritischen Anwendungen nicht verwendet werden.“ Auch hier fehlt die Evidenz für eventuelle Probleme.

Empfehlung: Wenn unverzinkte Stahlseile oder solche mit Naturfaserkern verbaut sind, sollten sie entsprechend inspiziert werden, vor allem auch im Inneren.

Die wichtigste Unterscheidung ist:

  • Litzenseil (z.B. 7 Litzen mit jeweils 19 Einzeldrähten) oder
  • Spiralseile  (bestehen aus einigen dicken Drähten). Spiralseile dürfen nicht mit Seilklemmen befestigt werden.

Es gibt eine Norm für die Inspektion von Drahtseilen, die ISO 4309. Sie ist für Kranseile geschrieben, weswegen in der Seilgartennorm ausgeführt ist, welche Teile gelten und welche nicht. Die hohe Komplexität dieser Norm mach es schwierig, die richtigen Kriterien zu finden: Sie sind z.B. abhängig von der Seilkonstruktion.

 

Die gute Nachricht: Die Kriterien sind sehr konservativ und haben eine sehr hohe Sicherheitsreserve.

 

Daher hat sich bei einem 10 mm (12 mm) Stahlseil folgende Faustregel bewährt:

  1. A)   5 Drahtbrüche auf 6 cm (7,2 cm) des Seils,
  2. B) 10 Drahtbrüche auf 30 cm (36 cm) des Seils.

Die Längenangaben sind relativ zur Seildicke berechnet und können bei dickeren Stahlseilen entsprechend vergrößert werden:

  • Für A) 6 x den Seildurchmesser,
  • für B) 30 x dem Seildurchmesser.

Das Gute dabei ist das sich die Lasten in der Seilgartenbranche wesentlich mit den Lasten der Kranindustrie unterscheiden und wir somit in unserem Bereich von einer hohen Sicherheitsreserve ausgehen dürfen. Selbst solche Stahlseile wie im nachstehenden Bild sind in Betrieb gewesen und nicht gebrochen. Das bedeutet nicht, dass man die Ablegeregeln missachten darf, da es sein kann, dass das Stahlseil im Bild knapp vor dem Bruch gestanden ist. Solche Brüche kommen auch ab und zu mal vor.

 

Als Umlenkung bezeichnet man eine Knickstelle, die z.B. durch Rollen entsteht oder wenn das Seil über Kanten läuft. Diese Stellen sind mit besonderer Sorgfalt zu überprüfen.

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